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Digitalfaktisch – Wie die digitalen Medien uns beeinflussen

2015 wurde gesagt, dass 2016 das Jahr der Cyberkriege werden würde. Stattdessen wurde es dann doch ein Jahr der recht analogen Kriege.
Das letzte Jahr war trotzdem ein Jahr, dass digital viel verändert hat. Es war vielleicht auch eines der ersten Jahre in dem man, wenn man sagt „da hat sich digital viel verändert“, allgemein sagen kann: Da hat sich viel verändert.
Jedenfalls in der westlichen Welt und in der Art und Weise wie wir sie wahrnehmen.

2016 war nicht nur ein Jahr in dem eine Reihe bekannter Personen gestorben sind und der Terror des Islamischen Staates sich im Herzen Europas gefestigt hat. Es war auch das in dem „postfaktisch“ in Deutschland zum Wort des Jahres gewählt worden ist.

Der Mensch wägt seine Entscheidungen und Meinungen nicht mehr nach Fakten ab, sondern lässt sich nur noch von Gefühlen und Stimmungen leiten. Damit soll vor allem auch der Aufschwung von rechten Parteien erklärt werden, da diese häufig ihre Anhänger durch emotionsgeladene und teilweise erfundene Fakten für sich gewinnen. Den Anhängern ist das auch zum Großteil sogar Recht, sofern die „alternativen Fakten“ helfen ihr eigenes verqueres Weltbild zu untermauern.

Was meine ich nun aber wenn ich von dem Begriff digitalfaktisch rede?
Dabei meine ich nicht nur die mittlerweile heiß diskutierten Social Bots und #fakenews. Also willentlich gestreute Meinungsmacher und zum Teil Aufhetzer. Ja, diese tragen auch zur Meinungsbildung oder in Bezug auf fakenews zur Meinungsverstümmelung bei.
Wir werden täglich unbewusst und ohne getriebene Manipulation durch die digitalen Medien beeinflusst.

Ein gutes Beispiel ist zum Beispiel Google Maps. Mithilfe eines Algorithmus schlägt uns die Karten-Applikation den kürzesten Weg zu unserem Ziel vor. Und nicht nur den kürzesten Weg, auch den laut Google sichersten Weg. So führen die berechneten Routen in einem weiten Bogen an den „Ghettos“ der Großstädte vorbei. Wer weiß wie viele Wege in der jüngsten Geschichte der Menschheit dadurch schon beeinflusst wurden? Vielleicht wurde damit unser Leben etwas leichter und effizienter, aber vielleicht haben wir damit auch unser Lieblingscafé verpasst, weil es an der Route vorbeiführte, die etwas länger war…(Inzwischen gibt es auch alternative Konzepte: Siehe Happy Maps )
Oder wenn wir darauf schauen was wir kochen wollen: Dazu benutze ich zum Beispiel seit kurzem überwiegend und sehr gerne die Kitchen Stories-App. Was meinen Avocado-Konsum in den letzten 10 Monaten um 200%  gesteigert haben muss. Der Vorteil ust das die Menschen von Kitchen Stories einen recht gesunden Nahrungsstil vermitteln, der auch gut schmeckt (Ich muss gestehen ich bin wirklich Fan). Was wäre aber passiert, wenn ich erst auf Tastymade gestoßen wäre? Hätte ich dann alle meine Gerichte fortan mit Käse überbacken oder gefüllt?
Worauf ich hinauswill: Solche Kochanwendungen und –videos können mittlerweile beeinflussen, was wir kochen und was wir als lecker empfinden.
Ich bin jetzt im Konkreten nur auf 2 Beispiele eingegangen, aber ich denke man sieht wo es hinführt: Digitale Inhalte beeinflussen und kreieren unser Weltbild. SO wie es die Medien eben schon immer gemacht haben nur auf eine viel intensivere und schnellere Art und Weise als Fernsehen und Zeitung es je hinbekommen haben.
Und wir fühlen uns in dieser Welt wohl. In der Welt, die durch unsere Klicks und von Algorithmen empfohlenen Kleidungsstücken, Liedern und Musikvideos erschaffen wurde. Wir befinden uns in einer Filterblase die weich und leicht ist und uns viel Gedankenarbeit abnimmt. Zu viel Gemütlichkeit macht jedoch träge.

Mit meinem Text möchte ich auf keinen Fall die digitalen Entwicklungen diffamieren. Es ist immer noch zum Teil Magie für mich, die ebenso Gutes hervorbringt und vor allem uns Menschen zueinanderbringen und verbinden kann.

Ich möchte damit nur sagen, dass der  Code von Programmierern politisch und gesellschaftlich immer wichtiger wird. Vor allem im Angesicht der nächsten Jahre.

Meine Vermutung (ganz im Sinne des postfaktischen Zeitalters nur auf mein Gefühl gestützt):
2017 wird das Jahr werden, in dem die westliche Welt so von der Digitalisierung so eingenommen ist, dass es sobald kein Zurück mehr gibt. Es wird das Jahr sein, in dem Computer und Smartphones völlig ihre Alienhaftigkeit und Absurdität verlieren. In einem Jahr, in dem ein Großteil unserer Eltern uns Videos über Whatsapp schicken wird und auf Amazon Prime eine Serie startet, in der Matthias Schnulzen-Schweighöfer gehackt (!) wird: Da kann man sagen, dass zumindest in Deutschland das Digital-Thema in der Mitte der Gesellschaft angekommen ist.

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